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  • christopheberger2

Änderung der Praxis bei Konkursaufschub im Kanton Freiburg


Ziel einer jeder Firma ist die Kombination von Gewinn und Wachstum. Aber jeder weiss, dass im Geschäftsleben auch mal etwas schiefgehen kann, und wenn sich die Widrigkeiten kumulieren, ist rasch einmal die Existenz eines Unternehmens bedroht. Daher beschränkt sich der 360°-Ansatz von AGILIS nicht nur auf Wachstumsthemen, sondern umfasst auch Werkzeuge und Lösungen für Unternehmen, welche sich in einer existentiellen Krise befinden.


Vor diesem Hintergrund durften wir ein KMU mit fast 80 FTE begleiten, welches aufgrund von Überschuldung kurz vor dem Konkurs stand. Zwar war das Kerngeschäft profitabel, aber verschiedene unglückliche Ereignisse und Entscheidungen (Debitorenausfälle aufgrund von Konkurs, Fehlinvestitionen und ein Betrugsfall) sowie ineffiziente Prozesse und IT-Tools führten dazu, dass während mehrerer Jahre Verluste geschrieben wurden.


Im Rahmen einer Rundum-Analyse haben wir einen Sanierungsplan erarbeitet, welcher in der Folge das Plazet des Konkursrichters gefunden hat: ein Konkursaufschubs sollte der Firma eine letzte Chance geben, und AGILIS wurde als Beistand der Firma eingesetzt. 


Die Grundidee des Konkursaufschubes ist es, dass eine Firma mit Problemen die Vergangenheit temporär "einfrieren" kann, um unbelastet von der Vergangenheit die notwendigen Massnahmen zur Rückkehr in die Gewinnzone zu treffen. Sobald dies erreicht ist, kann - neben der normalen operativen Tätigkeit - mit der Aufarbeitung der Vergangenheit begonnen werden, mit dem Ziel, die Firma sukzessive zu sanieren. Das bedeutet in der Theorie auch, dass die alten Gläubiger der Firma während der Periode des Konkursaufschubs zurücktreten müssen.


Während der Umsetzung der Massnahmen des Sanierungsplans wurden wir mit einem Problem konfrontiert, welches oft unterschätzt wird: die ungenaue Auslegung des Konkursaufschubs in der Praxis. Die dem Konkursaufschub zugrundeliegenden rechtlichen Bestimmungen (OR 84a, 725a, 820 sowie 923) sind sehr allgemein gehalten und lassen einen sehr grossen Spielraum bei der Interpretation zu. Aus diesem Grund hat sich mit der Zeit eine Doktrin entwickelt, welche recht komplex, manchmal widersprüchlich und vor allem von Kanton zu Kanton verschieden ist.


Auch im Kanton Freiburg bestanden verschiedene Interpretationen, wie die Doktrin nun angewandt werden sollte, was im Mandat zu einigen Herausforderungen geführt hat. Insbesondere das Konkursamt bestand darauf, trotz Konkursaufschub weiterhin Pfändungen vorzunehmen, was den Sanierungsplan negativ beeinflusst hat.


Wir haben sofort beim Konkursamt interveniert und das relevante Grundprinzip des Konkursaufschubs - d.h. das "Einfrieren der Vergangenheit" - rechtlich fundiert belegt und entsprechend verargumentiert. Wir freuen uns, dass der Kanton Fribourg in der Folge beschlossen hat, die Doktrin zu ändern und im Rahmen eines Konkursaufschubs allfällige Pfändungen zu sistieren. Das wird es in der Zukunft leichter machen, "rettbare" Unternehmen auch wirklich zu sanieren.

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